„Unsere Menschen sind keine Pflegefälle“ Besuch im Tiele-Winkler-Haus

Veröffentlicht am 21.08.2013 in Bezirk

Foto vlnr Marijke Höppner, Mechthild Rawert, Helena Scherer, Jörg Tänzer, Hermann Zeller Recht am Bild Thomas Moser

„Unsere Menschen sind keine Pflegefälle“, sagte Frau Scherer, Regionalleiterin des Tiele-Winckler-Hauses. Das Tiele-Winkler-Haus ist eine Einrichtung für Menschen, die aufgrund ihrer geistigen Beeinträchtigung besondere Aufmerksamkeit und Assistenz benötigen und nicht bei ihren Familien leben können.

Im Tiele-Winkler-Haus wird für die Einsicht geworben, dass Menschen mit geistiger Behinderung unabhängig von der Intensität des Hilfebedarfs ein selbstverständliches Recht auf Teilhabe und Selbstbestimmung haben. Deshalb war klar, dass auch Brigitte, eine Bewohnerin des Standortes in der Lichtenrader Mozartstraße, an unserem Treffen teilnahm. Brigitte zeigte uns ihre Lieblingsorte im Haus. Den Aufenthaltsraum auf der Etage in der sie wohnt und auch ihr Zimmer. Natürlich führte sie uns auch in den wunderbaren Garten hinter dem Haus, wo sonst das Sommerfest des Hauses stattfindet.

Nach der Besichtigung des Gebäudes wurde diskutiert. Neben der zügigen Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention war der sogenannte Metzler-Leitfaden Thema. Der Leitfaden resultiert aus einem Gutachten nach Dr. Metzler. Dieses sieht eine Umstrukturierung des Wohnens von erwachsenen Menschen mit Behinderung im Bereich der vollstationären Einrichtungen vor. Ergebnis des vom Land beauftragten Gutachtens sind Zielvorgaben für die konkrete Arbeit mit den betroffenen Menschen. Beispielhaft wurde das Waschen eines Menschen mit Beeinträchtigung benannt. Ist das Ziel des Waschens gemäß dem Metzler-Leitfaden, die Wiederherstellung der Fähigkeit, dies zukünftig selber zu tun, so wird dem Vorgang Zeit zugesprochen. Wird ein Mensch hingegen in der Zukunft nicht mehr in der Lage sein, sich selbst zu waschen, so soll – laut Metzler – auch kein Aufwand betrieben werden. Frau Scherer folgert daraus: „Wir sollen die Frage beantworten, ob es einem Menschen noch nützt, Zeit mit ihm zu verbringen oder nicht?“ Besonders Menschen mit schweren Mehrfach-Beeinträchtigungen leiden unter diesen Vorgaben.

Der Besuch des Tannenhofs in Lichtenrade am 13. August 2013 ist Teil der SPD Sommertour „gesund-sozial-queer“, die organisiert wurde durch die SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg. Ziel ist es mehr Aufmerksamkeit auf Gesundheits-, Sozial- und Queerprojekte zu lenken. Gerade diese Projekte spielen in der öffentlichen Wahrnehmung und gesellschaftlichen Anerkennungskultur häufig eine Nebenrolle. Dabei sind sie vielfach die Garanten für eine selbstbestimmte und selbständige Lebensführung, für Teilhabe und Partizipation.

 
 

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