Kulturausschuss beschließt Benennung des Grünzugs Torgauer Straße nach Annedore Leber

Veröffentlicht am 14.07.2015 in Pressemitteilung

Der Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg hat in seiner Sitzung am 02. Juli 2015 auf Initiative der SPD-Fraktion beschlossen, den Grünzug Torgauer Straße entlang der Ringbahn zwischen Cheruskerpark und Naumannstraße in Annedore-Leber-Park zu benennen.

Der Antragsinitiative des SPD-Fraktionsvorsitzenden Jan Rauchfuß hatte sich bereits im Vorfeld die Gruppe der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung angeschlossen, ehe der bezirkliche Kulturausschuss das Anliegen einstimmig beschloss.

 

Am 28. Mai 2015 wurde mit dem Grünzug an der Torgauer Straße die südliche Begrenzung der Schöneberger Schleife eröffnet. Auf dem Grundstück an der Gotenstraße/Torgauer Straße befindet sich die ehemalige Kohlenhandlung von Annedore und Julius Leber. Seit Jahren setzt sich der „Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber“ für die Realisierung eines Lern- und Gedenkortes und die Sichtbarmachung des zivilen Widerstands gegen den Nationalsozialismus an diesem Ort ein.

 

Zum Beschluss im Ausschuss für Bildung und Kultur erklären Jan Rauchfuß, Vorsitzender der SPD-Fraktion und Stefan Böltes, Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Wir freuen uns, dass die Bezirksverordneten aller Fraktionen unserem Anliegen, Annedore Leber an der Stätte ihres Wirkens zu ehren, gefolgt sind. Der Beitrag Annedore Lebers im zivilen Widerstand der Jahre 1937 bis 1945 gegen den Nationalsozialismus wurde bisher zu wenig gewürdigt. Auch wird oft vergessen, dass Annedore Leber die Kohlenhandlung an der Torgauer Straße nach Kriegsende weiterführte und dort den Mosaik-Verlag gründete, der mit seinen Veröffentlichungen einen zentralen Beitrag zum Verständnis des Widerstands leistete. Mit dem Annedore-Leber-Park wird das Wirken einer mutigen und aufrechten Frau im Schöneberger Stadtbild sichtbar.“

 

Neben ihrem Engagement im zivilen Widerstand und ihrer publizistischen Tätigkeit hatte Annedore Leber nach Kriegsende zahlreiche politische Ämter inne. Bereits 1946 wurde sie Berliner Stadtverordnete, war insgesamt 8 Jahre Bezirksverordnete in Berlin-Zehlendorf und von 1963 bis 1967 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit setzte sie sich frühzeitig für einen jüdisch-christlichen Dialog und die Aufarbeitung des Holocausts ein. Ein besonderes Anliegen war ihr die Förderung junger Menschen. Mit dem Bau der „Handwerker-Lehrstätten Britz“ wurde eine Ausbildungsstätte für junge Menschen in Berlin errichtet. Noch heute bildet das Annedore Leber Berufsbildungswerk Berlin (ALBBW) auf diesem Gelände junge Menschen mit Behinderung und besonderem Förderbedarf aus, die am Beginn ihres Berufslebens stehen.

 
 

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