Vorrang für Frauen

Veröffentlicht am 11.02.2021 in Pressemitteilung

Zu den Benennungsanträgen für die 49. Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) erklärt die SPD-Fraktion:

Die SPD-Fraktion hat sich auf die Fahne geschrieben, den Anteil der nach Frauen benannten Straßen, Plätzen und Wegen im Bezirk zu erhöhen. In Tempelhof-Schöneberg gibt es knapp 784 Straßen, Plätze und Wege, 353 sind nach Personen benannt, davon sind nur 24 nach Frauen benannt. Das entspricht 3% aller Verkehrswege, die nach Frauen benannt sind bzw. 6,8% der personenbezogenen Straßen (nachzulesen in der Drs. 2024/XX). Das ist der SPD-Fraktion deutlich zu wenig!

 

„Frauen wurden über Jahre hinweg in der Geschichtsschreibung übersehen oder ignoriert. Dabei ist ihr Schaffen nicht weniger wichtig, sondern häufig nur nicht so bekannt. Wir wollen die Frauen und ihre Leistung ehren. Außerdem wollen wir Mädchen und jungen Frauen weibliche Vorbilder geben,“ erklärt Marijke Höppner, Vorsitzende der SPD-Fraktion. Sie wird durch die Sprecherin für Frauenpolitik, Manuela Harling, ergänzt: „Frauen haben auf vielfältige Weise das gesellschaftliche Leben in Berlin und weltweit geprägt. Es gibt viele Pionierinnen ihrer Zeit, deren Wirken nicht gewürdigt wurde. Sie sollen aus der Vergessenheit geholt werden.“

 

Die Debatte der Januar-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung hat uns gezeigt: Wenn wir nicht die Initiative ergreifen, bleibt die Ausnahme die Regel. Benennungen werden vor allem nach Männern vorgenommen. Beschlossen wurden gegen die Stimmen der SPD-Fraktion die Umbenennung des Kaiser-Wilhelm-Platzes und die Benennung eines Rathaus Saales – beides nach männlichen Vorbildern. Auch frühere Beschlüsse durch andere Fraktionen bezogen sich auf männliche Vorbilder.

Für die 49. Sitzung der BVV haben wir uns deshalb entschieden ein Zeichen zu setzen und gleich sechs Vorschläge für Benennung von Straßen, Plätzen und Parks nach Frauen einzubringen:

 

  • Elvira Castner (1844-1923): Sie war Zahnärztin, Lehrerin und Frauenrechtlerin. 1894 gründete sie eine Gartenbauschule für Frauen. Gartenbau war zu dieser Zeit eine Männerdomäne und sie erschloss das professionelle Gärtnern für sich und viele Frauen, die sie in Marienfelde unterrichtete. Nach ihr soll ein Abschnitt der Marienfelder Allee umbenannt werden.
  • Reingard Jäkl (1939-2015): Historikerin, Feministin. Sie war Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg erst als Mitglied der Grünen-Fraktion, später bei den Grauen. Besonders engagierte sie sich in der Kultur- und Erinnerungspolitik. Nach Jäkl soll der Platz vor dem Feld-Theater am Winterfeld Platz benannt werden.
  • Audre Lorde (1934-1992): Lorde beschrieb sich selbst als black lesbian feminist mother poet warrior. Sie war immer wieder zeitweise Gastprofessorin am Berliner John-F.-Kennedy-Institut und verbrachte zwischen 1984 und 1992 viel Zeit in Berlin, auch in Schöneberg. Lorde beteiligte sich an der Entstehung der Afro-Deutschen Bewegung in Deutschland. Nach Ihr soll ein Weg zwischen Geßler- und Monumentenstraße benannt werden.
  • Erna Proskauer (1903-2001): Sie gehörte zu den ersten deutschen Jura-Absolventinnen. Als Jüdin wurde es ihr aufgrund nationalsozialistischer Gesetzgebung verwehrt als Richterin arbeiten zu dürfen. Sie ging ins Exil, nach Kriegsende kämpfte sie erfolglos für die Wiederaufnahme in den Staatsdienst. Sie wurde Anwältin und Notarin und lebte in der Bundesallee. Nach Proskauer soll die Grünanlage südlich des Innsbrucker Platzes benannt werden.
  • Ingrid Rabe (1916-2012): Sie war Tänzerin und stellvertretende Ballettmeisterin. Gemeinsam mit ihrer Mutter gehört sich zu den Gründungsmitgliedern der Lagergemeinschaft Ravensbrück. Sie ist zudem Mitgründerin des Tempelhofer Frauenmärzes. Sie lebte in Mariendorf. Nach Ingrid Rabe soll die noch unbenannte Straße 229 in Mariendorf benannt werden.
  • Charlotte Wolff (1897-1986): Sie war Ärztin, Sexualwissenschaftlerin und Schriftstellerin. Sie veröffentlichte grundlegende Werke zur weiblichen Homosexualität. Sie soll Namensgeberin für einen entstehenden Stadtplatz am Südkreuz werden. Der Antrag basiert auf einem Vorschlag der Schwulenberatung Berlin.

Auch die Benennungen nach Gertrud Hanna, Gerda Szepansky und Ella Barowsky, die durch die BVV bereits beschlossen, aber durch den Fachbereich Straßen- und Grünflächen noch nicht umgesetzt wurden (Stand 11.2.21), gehen auf die Initiative der SPD-Fraktion zurück. Mehr Informationen zu diesen Frauen finden Sie hier:

  • Ella Barowsky (1912-2007): Erste Bezirksbürgermeisterin Schönebergs, Mitglied der FDP. Sie war Direktorin des Lettevereins und auch Mitglied des Abgeordnetenhauses. Für sie wird ein Teilstück des Tempelhofer Weges umbenannt.
  • Gertrud Hanna (1876-1944): Die Gewerkschafterin und Sozialdemokratin kämpfte als Mitglied des Preußischen Landtags für bessere Arbeitsbedingungen für Frauen. Sie ist die „geistige Mutter“ des Mutterschutzgesetzes und des Frauenarbeitsschutz. Nach Gertrud Hanna soll eine Grünanlage in Tempelhof benannt werden. (Gemeinsame Initiative mit der Fraktion Bündnis90/Die Grünen)
  • Gerda Szepansky (1925-2004): Journalistin, Autorin, Lehrerin und Schauspielerin. Zudem gehörte sie der Gruppe Antifaschistischer Lehrer an. Liebevoll wird sie die Simone de Beauvoir von Mariendorf genannt. Nach Gerda Szepansksy und ihrem Mann Wolfgang soll eine Promenade entlang des Kanals in Mariendorf benannt werden
 
 

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