Berlin wächst: Der Sport muss aber endlich mitgedacht werden

Veröffentlicht am 12.07.2018 in Sport

Im aktuellen SGK-Forum, der Zeitung der Berliner Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik, hat unser Bezirksverordneter Oliver Fey einen Artikel veröffentlicht, der sich einmal grundsätzlich mit der Berliner Sportpolitik befasst.

 

Wenn man in Berlin über Sportanlagen spricht, denken die meisten sofort an das Olympiastadion, die Alte Försterei, die Mercedes-Benz-Arena oder die Max-Schmeling-Halle. Allesamt Sportanlagen, die modern und gut in Schuss sind. Das ist auch gut so, denn Hertha BSC, der 1. FC Union, die Eisbären oder die Füchse sind die sportlichen Aushängeschilder der Stadt. Wenn man aber in Berlin über Sportanlagen spricht, meint man eigentlich jene Sportanlagen, die weniger gut in Schuss, oft sanierungsbedürftig und manchmal sogar schon geschlossen sind. Diese Sportanlagen befinden sich in allen Berliner Bezirken und stellen die Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker vor enorme Herausforderungen. Diese werden von Eltern angesprochen, deren Kinder nach dem Sport nicht in der Umkleide duschen wollen und von Sportvereinen, die sich Sorgen um ihre Trainingszeiten machen.

 

Die Kommunalpolitik muss sich in der Tat fragen lassen, wie es dazu kommen konnte, dass so viele Sportplätze und Sporthallen in einem derartigen Zustand sind. Ein Aspekt ist mit Sicherheit, dass Sportanlagen seit den 80er Jahren nicht mehr mitgedacht wurden und in den Jahren danach das Geld fehlte, neue zu bauen oder vorhandene frühzeitig zu sanieren. Ein weiterer Aspekt ist, dass Berlin erst seit einigen Jahren wieder deutlich wächst, so dass sich heute ganz andere Bedarfe ergeben als noch vor 10 oder 15 Jahren. Der Aspekt, dass sich Sportpolitikerinnen und Sportpolitiker stets besonders viel Mühe geben müssen, um überhaupt gehört zu werden, ist zwar zutreffend, aber wohl kaum eine Ausrede für den Zustand der Sportanlagen. Jammern hilft nicht, Machen hilft! Und zwar in Bezug auf Neubauten, aber auch beim Thema Instandhaltung beziehungsweise Instandsetzung.

 

Wachsende Stadt

Jedes Jahr kommen zwischen 40.000 und 50.000 Menschen aus aller Herren Länder in unsere Stadt, um hier zu leben, zu arbeiten, zu studieren, an kulturellen Angeboten teilzuhaben und eben auch um Sport zu treiben. Dieses Wachstum führt zu einem ständig steigenden Bedarf an Wohnraum. Dort wo Wohnungen entstehen, müssen selbstverständlich auch Kitas und Schulen vorhanden sein und es müssten eigentlich auch Sportanlagen entstehen. Letzteres geschieht aber leider nur äußerst selten. Ein Beispiel ist ein Neubauprojekt in Tempelhof-Schöneberg. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf sollen auf 65.000 Quadratmetern etwa 940 Wohnungen, davon 235 gefördert vom Land Berlin, für mehr als 2000 Menschen entstehen. Die Kinder und Jugendlichen unter ihnen werden also ab 2022 in die Kitas und Schulen in Friedenau und Schöneberg gehen; eine kleine Kita wird auf dem Gelände selbst entstehen. Vermutlich werden diese Kinder auch in die Sportvereine der Gegend eintreten wollen. Diese Sportvereine haben zum Teil jetzt schon lange Wartelisten, da die Trainingskapazitäten vorne und hinten nicht reichen. Beim Bauprojekt in Tempelhof-Schöneberg wurde nicht eine einzige Sportanlage mitgedacht, auch wenn bei ersten Entwürfen sogar Sportplätze vorhanden waren. Diese fielen dann anderen Entwürfen zum Opfer und heute ist es nahezu unmöglich, in der Umgegend überhaupt noch Flächen für mögliche Sportflächen zu identifizieren. Dieses Beispiel ist nur eines von mehreren in ganz Berlin, aber es ist symptomatisch für die derzeitige Situation. Nach einer Studie, die die Senatsverwaltung für Inneres und Sport beauftragt und veröffentlicht hat, fehlen in Berlin 73 Sportanlagen und 140 Sporthallen. Das wird mit den Jahren mit Sicherheit nicht besser, wenn wir hier nicht bald eine Lösung finden.

 

Neue Orte für Sportanlagen

Berlin hat in seiner langen Geschichte gezeigt, dass es immer wieder auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen greift und unkonventionelle Lösungen für Probleme finden kann. Eine Möglichkeit für die Lösung des Problems mangelnder Sportanlagen ist die Suche nach völlig neuen Orten für Sportflächen. Beispielsweise könnten Sportflächen auf den Dächern größerer Einzelhandelsgeschäfte gebaut werden. So geschehen zum Beispiel in Kreuzberg auf dem Dach eines Baumarktes. Zwar ist dies nur ein Kleinspielfeld, aber es trainieren Vereine darauf. In ganz Berlin schießen neue Einzelhandelsketten wie Pilze aus dem Boden; Möbelhäuser, Baumärkte, Lebensmittelmärkte, die allesamt große Flächen auf den Dächern haben, die man mit ein bisschen Geschick mit Sportanlagen ausstatten könnte. Die meisten wären sogar so groß, dass es für wettkampfgerechte Sportanlagen reichen würde. Man könnte dies dann schon vor dem Bau in einem städtebaulichen Vertrag regeln, in dem dann stehen könnte, dass dem Bau nur dann zugestimmt werde, wenn das Unternehmen Flächen zur Verfügung stellt und/oder sich am Bau von Sportanlagen beteiligt. So geschehen am oben genannten Beispiel in Kreuzberg. Das Unternehmen hatte sich damals sogar bereit erklärt, für eine gewisse Zeit für die Instandhaltung des Sportplatzes aufzukommen. Gleichzeitig gibt es in einigen Bezirken Ideen, bei denen geprüft werden soll, ob man nicht zum Beispiel Bahnanlagen oder Straßen mit Sportplätzen oder –hallen überbauen könnte. Dazu kann man stehen, wie man will, aber in der derzeitigen Situation sollte man jedenfalls nicht immer sofort sagen „geht nicht“, sondern versuchen zu überlegen, wie es gehen könnte. Sicherlich ist das alles nicht so einfach und es gibt vermutlich eine Menge Regelungen, die dem Steine in den Weg legen, aber manchmal muss man für neue Lösungswege auch anfangen zu spinnen.

 

Tempelhofer Feld

Leider keine Spinnerei, sondern klare Rechtlage ist das Tempelhofer Feld-Gesetz, das es verbietet, auf dem Tempelhofer Feld auch nur zwei Steine aufeinanderzulegen, wenn man sie danach nicht wieder mitnimmt. Der Erfolg des damaligen Volksentscheids hat nicht nur den Berliner Wohnungsmarkt, sondern auch den Sport – zumindest den organisierten Sport – ausgebremst. Während die Bürgerinitiative den Berlinerinnen und Berlinern weisgemacht hat, das Land wolle das gesamte Feld bebauen, hat es der Senat damals nicht geschafft, die Menschen vom Gegenteil und der Wahrheit zu überzeugen. Keine Frage, das Tempelhofer Feld entfaltet heute mit Sicherheit einen Reiz und bietet Tausenden von Individualsportlerinnen und –sportlern Platz. Wenn man aber als Sportpolitiker mit den Vereinen in den angrenzenden Bezirken redet, merkt man schnell, welche Chance die Randbebauung des Feldes für den Vereinssport gewesen wäre, ein wenig Entlastung in ihre Sportanlagensituation zu bekommen. Es wird in den nächsten Jahren Diskussionen darüber geben müssen, ob und wie möglich ist, Flächen auf dem Tempelhofer Feld für den Bau von Sporthallen und Sportplätzen zu nutzen. Selbstverständlich würden diese nicht in der Mitte des Feldes entstehen, sondern an den Rändern, beispielsweise in Neukölln oder aber in Höhe des Tempelhofer Damms in Tempelhof-Schöneberg.

 

Der ewige Ruf nach mehr Personal

Wenn man über neue Sportanlagen nachdenkt, darf man gleichzeitig nicht vergessen, sich über die bestehenden Sportanlagen Gedanken zu machen. Viele der Anlagen sind in einem beklagenswerten Zustand und können lediglich „gerade so“ noch genutzt werden. Reparaturen oder Sanierungen werden derzeit meist erst dann durchgeführt, wenn es nicht mehr zu verhindern ist, das heißt, wenn eine Decke droht einzustürzen oder eine Havarie einen Kabinentrakt unnutzbar macht. Das liegt übrigens weniger am Geld, als am fehlenden Personal in den Bezirken. Das Sportstättensanierungsprogramm ist durch den Senat im letzten Haushalt auf 18 Millionen Euro verdoppelt worden. Zusätzlich gibt es Mittel aus anderen Töpfen wie SIWA oder SIWANA. Das ist gut und wichtig, ist aber in Bezug auf den realen Sanierungsstau in den Bezirken nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. All das Geld nützt eben nichts, wenn es in den Bezirken zu wenig Personal gibt, das es ausgeben und verbauen kann. Es werden beispielsweise händeringend Ingenieure gesucht, die sich aber für das in den Bezirken angebotene Gehalt gar nicht erst bewerben. Auch hier müssen in Zusammenarbeit mit der Landesebene schnell Lösungen gefunden werden, da zudem viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den nächsten Jahren in Rente gehen.

 

Fazit

Es wäre schön, wenn sich Artikel über die Situation der bezirklichen Sportanlagen nicht immer anhören würden wie Wehklagen oder Jammern, aber leider ist das zurzeit nicht zu vermeiden. Also was tun? Wir brauchen erstens einen Sinneswandel. Der Sport, der übrigens in Berlin Verfassungsrang genießt, muss bei der Entwicklung unserer Stadt wieder mitgedacht werden. Bei allen nötigen Wohnbauprojekten muss neben der Frage nach Kitas, Schulen und Verkehrsinfrastruktur auch immer gefragt werden, wo dort Sport möglich sein wird. Nicht vergessen: Es geht beim Sport nicht nur um Titel und Medaillen, sondern auch um Gesundheit, soziale und gesellschaftliche Teilhabe, Bildung und Integration. Wir benötigen zweitens Ideen und Innovationskraft, um neue Orte und Flächen für den Sport nutzbar zu machen. Ganz nach dem Motto: „Wer nicht den Mut hat zu Träumen, hat nicht die Kraft zu Kämpfen“. Drittens muss es beim Neubau von Sportanlagen auch darum gehen, große Flächen wie das Tempelhofer Feld, aber auch die entstehende Fläche am Flughafen Tegel für den Sport nutzbar zu machen. Deutlich gesagt: das derzeit gültige Tempelhofer Feld-Gesetz muss abgelöst werden durch ein Gesetz des Kompromisses und einer Koexistenz zwischen Individualsport und dem organisierten Sport. Am Flughafen Tegel sollte es erst gar nicht so weit kommen! Und Viertens müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir schnell mehr Personal in die bezirklichen Bauämter bekommen, damit das Geld, das zur Verfügung steht, auch ausgegeben werden kann. Eigentlich haben wir dazu keine Zeit, da bereits zu viele Jahre zu wenig passiert ist und wir der Zeit hinterherlaufen. Wir müssen jetzt beginnen, damit wir dem Bedürfnis der Berlinerinnen und Berliner gerecht werden, Sport zu treiben und uns bald zu Recht „Sportstadt Berlin“ nennen können.

 
 

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