„Komm mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau …“

Veröffentlicht am 09.07.2021 in Geschichte

Genau wie heute, erlebte Berlin vor 150 Jahren einen rasanten Bevölkerungszuwachs. Die Residenzstadt Berlin wurde schlagartig durch den deutschen Sieg über Frankreich 1871 zur Reichshauptstadt eines geeinten Deutschen Reiches. Nicht weniger als den Spiegelsaal von Versailles hatte sich die deutsche Militärführung am 26. Februar 1871 ausgesucht, um die Friedensproklamation zu verkünden. Darin wurde in Artikel II kurz und knapp dem besiegten Frankreich eine Kriegsreparationsleistung von 5 Milliarden Goldfrancs auferlegt, zahlbar innerhalb von drei Jahren. Umgehend floss nun ein breiter Goldstrom ostwärts über den Rhein in die euphorisierte Reichshauptstadt Berlin.

Aus den Tageszeitungen verschwanden die Todesanzeigen der ruhmreich auf dem Felde der Ehre gefallenen Soldaten. Die von den Kriegsschauplätzen zurückflutenden Soldaten wurden jubelnd mit Blumen auf den Bahnhöfen empfangen. Die Schulkindern genossen einen unterrichtsfreien Tag anlässlich des Sieges von Sedan und das Prägen von Helden-Gedenkmünzen hatte Hochkonjunktur. Der offizielle Friedensschluss fand  am 10. Mai 1871 in Frankfurt am Main statt.

Die junge Reichshauptstadt platze aus allen Nähten. Industrien blühten auf, immer mehr Platz nahmen die neuen Fabrikanlagen von AEG, Borsig, Siemens und Schering ein. Elende Arbeiterwohnungen schossen massenweise aus dem Boden. Berlin war eng, laut und schmutzig. Wer es sich leisten konnte, wollte außerhalb von Berlin, aber trotzdem in Reichweite sein Heim im Grünen aufschlagen. An jeder Ecke war Aufbruch deutlich spürbar und die Immobilienbranche blühte. Dabei ging der Drang der Stadtflüchtenden vor allem ins südwestliche Umland.

Der Schriftsteller und Journalist David Born (eigentlich David Buttermilch) (1817-1879) und der Terrainkaufmann Johann Anton Wilhelm von Carstenn (1822-1896) erfassten die Gunst der Stunde. Carstenn, ein self-made-man mit kaufmännischer Erfahrung erwarb Grundstücke im südlichen Umkreis von Berlin. So kam auch der Grund und Boden des Rittergutes Deutsch-Wilmersdorf in seinen Besitz. Born erwarb davon eine Fläche von ca 11 Hektar, südöstlich von der Berlin-Potsdamer Landstraße (heute Rheinstraße) gelegen. Im Mai 1871 warb er in einer Zeitungsanzeige um Mitglieder für seinen geplanten  Landerwerb- und Bauverein auf Aktien. Nur zwei Monate später, am 9. Juli 1871 konnte der Landerwerb- und Bauverein auf Aktien offiziell gegründet werden.

„Diese Anzeige hatte den Erfolg, daß am 9. Juli 1871 der Landerwerb- und Bauverein auf Aktien in Berlin gegründet werden konnte, der der Schöpfer unserer Gemeinde wurde. Bei ihm stand weniger der gewerbliche Gewinn, als vielmehr die wohlmeinende Absicht, für den durch die Wohnungsnot am empfindlichsten betroffenen Mittelstand billige und zweckmäßige Wohnstätten zu schaffen, im Vordergrund seiner geschäftlichen Aufgabe. Der Verein wollte durch Ankauf von Land, Anlage von Straßen und Bau von Landhäusern seinen Mitgliedern Gelegenheit geben, sich ein eigenes schuldenfreies Haus nebst Garten bei mindestens nicht höheren als den damaligen Berliner Mietpreisen zu erwerben.

Nach den damals bestehenden Gesetzen mußte der Verein die Form einer Aktiengesellschaft annehmen, also einen Aufsichtsrat und eine Direktion erhalten. Den Aufsichtsrat bildeten:
Bankier A. Kämpf als Vorsitzender
W. Fröauf, Rechnungsrat bei der Gewerbe-Akademie
Louis Blankenberg, Kanzleirat im Kriegsministerium
Paul Consentius, Lehrer an der Gewerbe-Akademie
Carl Hacker, Geheimer Rechnungsrat im Kriegsministerium
H. Hähnel, Baumeister
H. Simon, Direktor der Gesellschaft für Holzarbeit

Die Direktion übernahm David Born, volkswirtschaftlicher Schriftsteller. Diese Männer sind die eigentlichen Begründer unseres Ortes Friedenau und Frau Baumeister Hähnel hat ihm den sinnigen Namen gegeben zur Erinnerung an den Frieden in Frankfurt a. M. im Jahre 1871.“
(Zitat aus dem Schöneberger-Friedenauer Lokal-Anzeiger vom 9. November 1924, Jubiläumsausgabe)

Es waren keine jungen Hitzköpfe, die sich zielgerichtet diese neue Gegend, die nicht mehr als aus Feld und Wiese bestand, als Ansiedlung für sich und ihre Familien aussuchten. Es waren gestandene Männer in angesehenen Berufen, deren Wirkungsstätte in der Reichshauptstadt lag. Die enorm günstige Lage der Neu-Siedlung an der schon 1792 von Friedrich Wilhelm II befestigten Handelsstraße zwischen Berlin und Potsdam (Teilstück der Reichsstraße 1, später B1) und die Nähe des quirligen Schönebergs gereichten allen zum großen Vorteil.   

Die vorbildliche Tatkraft der Neu-Siedler lag in der zwingenden Gemeinsamkeit, öffentliche Einrichtungen und Verkehrswege zu schaffen, Schulen und eine Kirche zu bauen, Kanalisation zu legen, eine Verwaltung einzurichten, Straßenbau,  Postwesen, Feuerwehr und öffentliche Wohlfahrt zu installieren. Von Anfang an bildete sich ein lebhaftes, Zusammenhalt schaffendes Vereinswesen. Der Spruch „Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit“ beflügelte den Pioniergeist der Friedenauer Männer und Frauen der ersten Stunde und voller Dank erhielten die neu angelegten Straßen später deren Namen.   

Die Erstbesiedlung wies 95 Parzellen mit bescheidenen Landhäuser auf. Durch Landzukauf, noch im Oktober 1871, erweiterte sich die Gesamtfläche auf stolze 141 Hektar. Es wurde ordentlich Werbung getrieben mit dem Lied „Komm mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau“ und die Schöpfer von Friedenau, Born und Carstenn, wurden nicht müde, zu erklären, dass „die Vororte die Lungenflügel der Großstädte werden müssen“.

Ausgehend von seinen Reiseerfahrungen in England, wo Carstenn die neuen Gartenstädte kennengelernt hatte, wurden die Anpflanzung von Straßenbäumen in der neuen Landkolonie verpflichtend und die Vorgärten sollten zweckmäßig mit `immerwährendem Gehölz`begrünt werden, um einen `unschätzbaren Wert des Ortes zu bilden`.
Der Ortsgrundriss wurde am Reißbrett entworfen. Er zeigt eine symmetrische Form mit gebogenen Straßenverläufen in Form eines Kirchenfensters und gefälligen, gleichmäßig verteilten Schmuckplätzen, die sogenannte Carstenn-Figur.

Kühn und vorausschauend integrierte Carstenn eine visionäre Mittelachse in den Ortsgrundriss. Dort, wo noch Felder und Wiesen sich ausbreiteten, sollte sich bald eine bedeutende Straßenachse von Friedenau mit dem Namen Kaiser-Strasse (später Kaiserallee, heute Bundesallee) bis zum Kurfürstendamm erstrecken. Dieser entwickelte sich gerade rasant vom Reitweg in den Grunewald zu einer Prunkstraße des Geistes und des Geldes.

Nicht nur für Auguste Hähnel, die anläßlich des Frankfurter Frieden den poetischen Namen FRIEDENAU für die junge Landhaus-Kolonie fand, sondern auch für die Frage der Straßenbenennungen mußte der Frankfurter Frieden herhalten. Aus der Schöneberger Straße wurde stolz die Rheinstraße, und Flüsse zwischen Frankreich und Deutschland bekamen die Ehre, Straßenbezeichnungen in Friedenau zu werden: Illstraße, Niedstraße, Lauterstraße, Saarstraße, Moselstraße, Albestraße.

Der  Zuzug nach Friedenau entwickelte sich enorm. Zwanzig Jahre nach der Geburtsstunde von Friedenau verzeichnete die Landgemeinde schon mehr als 10 000 Einwohner. In hohem Maße und glücklicher Fügung trafen hier zielgerichteter Pioniergeist und kompetenter Bürgersinn zusammen.

Die Zugehörigkeit Friedenaus zum Landkreis Teltow stand dem Wunsch der selbstbewußten Friedenauer entgegen, eine selbstständige Landgemeinde zu werden.Der Teltower Königliche Landrat Nikolaus Prinz von Handjery beobachtete mit Wohlwollen das vorbildliche Anwachsen der Friedenauer Landhauskolonie und setzte sich in hohem Maße und mit Erfolg für deren Ausscheiden aus dem Kreis Teltow ein.

Die Erhebungsurkunde des Kaisers vom 9. November 1874 lautete:

„ ... will ich die Abtrennung der Kolonie Friedenau mit einem Flächeninhalt von 141,3516 Hektaren von dem Kommunalverbande des Gutsbezirks Deutsch-Wilmersdorf, Kreis Teltow und ihre Erhebung zu einer Landgemeinde unter dem Namen `Friedenau` hierdurch genehmigen.
Berlin, 9. November 1874. gez. Wilhelm“.

Völlig zu Recht wurde eine der schönsten Straßen Friedenaus nach Nikolaus Prinz von Handjery  benannt. Auch er wird in die Feierlichkeiten einbezogen, wenn Friedenau am 9. November 2024 seinen 150. Gründungstag als selbstständige Landgemeinde begehen wird.

Gudrun Blankenburg

 
 

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